Sonntag, 5. März 2017

(Leseeindruck) "Das Leben nach Boo" von Neil Smith

 
 
Der Einstieg in die Geschichte ist mir wirklich leicht gefallen, da man sich sofort mitten im Geschehen wiederfindet. Der Autor hält sich auch nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf…Ehe Boo (der eigentlich Oliver heißt) und ich wussten wie uns geschieht, fanden wir uns auch schon im Leben nach dem Tod wieder. Und hätte ich es nicht davor bemerkt, dann hat es sich spätestens hier gezeigt: Boo ist ein wenig anders als die andere. Er nimmt seinen Tod nämlich total gelassen hin, ja akzeptiert ihn sogar. Jeder andere an seiner Stelle wäre total ausgeflippt, hätte geschrien etc., Boo jedoch bleibt vollkommen ruhig und erkundet voller Neugier seine neue Umgebung, um jedes Detail in einem Bericht für seine Eltern festzuhalten. (Dieser Bericht ist übrigens das, was wir zu lesen bekommen!)

Vielleicht mochte ich Boo aber gerade deshalb so gerne. Er ist ein hochintelligenter Junge, der auf jede noch so komplizierte Frage eine Antwort hat. Vor allem was Wissenschaft angeht, macht ihm keiner etwas vor. Im Umgang mit anderen Menschen, hat er jedoch starke Defizite. Da er wirklich alles ausspricht was er denkt, stößt er die Leute meistens ziemlich vor den Kopf und bemerkt es nicht einmal. Das Leben in der Nachwelt sorgt jedoch dafür, dass er sich verändert und umgänglicher wird. Er schafft es sogar Freundschaften zu schließen.

Mein Interesse galt vor allem dieser sogenannten “Nachwelt“, die der Autor sich ausgedacht hat. Wie ich von der Helferin Thelma erfahren habe, gibt es für jede Altersklasse eine eigene Welt, wo die „Toten“ die nächsten 50 Jahre verbringen. Wie es danach weitergeht, weiß niemand. Boo, Thelma & Co. leben in einer großen, von einer Mauer umgebenen, Stadt und werden von dem Gott „Zig“ mit allen notwendigen Dingen versorgt. Ansonsten lässt er ihnen in ihrer Alltags- und Freizeitgestaltung weitestgehend freie Hand. Weitere Vorteile des Nachlebens: Man wird niemals krank, Verletzungen heilen viel schneller und selbst Gebäude oder kaputte Fenster reparieren sich von alleine. Je mehr ich gelesen und damit erfahren habe, desto faszinierter war ich, aber ich hatte auch immer mehr Fragen.

Die Geschichte nimmt eine weitreichende Wendung als Johnny, ein Klassenkamerad von Boo, ebenfalls in der Nachwelt auftaucht und ein ganz anderes Licht auf Boos Tod wirft. Dieser dachte bis dahin, dass sein Herzfehler die Ursache für seinen Tod war. Jetzt erfährt er, dass er erschossen wurde. Und es kommt noch krasser, denn Johnny behauptet, dass er ihren Mörder hier gesehen hat. Alle sagen ihm wie unwahrscheinlich das ist, doch Johnny ist felsenfest davon überzeugt und macht sich schließlich mit Boo auf die Suche nach ihm.

Im weiteren Verlauf hat die Geschichte immer mehr die Züge eines Krimis angenommen. Es gab zwar hier und da Längen, aber das hat nichts daran geändert, dass ich total an die Seiten gefesselt. Ich war einfach zu gespannt, was sie herausfinden werden. Nach einer gewissen Zeit habe ich mich allerdings gefragt, ob Johnny sich nicht doch in etwas verrennt. Außerdem habe ich mich gefragt, was sie eigentlich tun wollen, wenn sie ihren Mörder finden. Wie sieht Gerechtigkeit in diesem Fall aus? Na und die große Frage ist natürlich, was an Boos Todestag wirklich passiert ist. Schließlich gab es eine weitere Wendung, die bei mir eingeschlagen hat wie eine Bombe. Ich war echt schockiert und habe mich gefragt, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin. Allerdings hatte ich wieder Zweifel daran, ob das was nun passiert, richtig ist. Damit war ich jedoch fast sie einzige. Und die Situation hat sich immer weiter, immer drastischer zugespitzt. Gleichzeitig hat es sich der Autor nicht nehmen lassen, uns einen Spiegel vorzuhalten. Wir Menschen sind oft so schnell dabei, wenn es darum geht uns über einen Anderen eine Meinung zu bilden. Haben wir es gemacht, dann sind wir nur schwer wieder von diesem Bild abzubringen, egal ob es in der Zwischenzeit neue Infos gab, die alles anders aussehen lassen.

Das Buch ist richtig gut geschrieben, was daran liegt, dass Boo sehr viel Wert auf seine Wortwahl legt. Es ist aber alles in allem ein leichter Schreibstil. Dass Lesen macht Spaß, obwohl es eine eher ernstere Geschichte ist. Was für mich den Reiz ausgemacht hat, war vor allem die Tatsache, dass ich nicht wusste, was als nächstes passiert und worauf es letztendlich hinauslaufen wird.

Gegen Ende wurde es richtig emotional und ich hatte in mehr als einer Situation einen Kloß im Hals. Neil Smith ließ mir aber kaum Zeit mich von diesen Seiten zu erholen, als er das Verwirrspiel endgültig auf die Spitze getrieben hat. Es gab noch einmal eine überraschende Wendung, mit der ich nun gar nicht gerechnet hatte, die aber absolut Sinn ergibt. Als ich die letzte Seite gelesen hatte, war ich einerseits zufrieden, andererseits aber auch nicht, da zu viele Fragen offen geblieben sind.



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- Sarina