Freitag, 2. August 2013

(Rezension) "Gelöscht" von Teri Terry

 
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England im Jahr 2054. Nachdem die Wirtschaft in Europa durch eine Bankenkrise zusammengebrochen ist, hat Großbritannien seine Grenzen geschlossen und sich von der EU vollkommen abgeschotten. Gleichzeitig setzt die Regierung alles daran, die Kriminalität bzw. den Terrorismus, besonders unter Jugendlichen einzudämmen. Zuerst wurden dafür die Handys verboten und als dies nicht zu reichen schien, wurde das Slating, als mögliche Konsequenz für junge Straftäter eingeführt. Indem ihre Erinnerungen gewissermaßen auf null gesetzt werden, wird ihnen die Chance auf einen Neustart eingeräumt. Darüberhinaus bekommen sie ein Levo ums Handgelenk, das kriminelle Energien sofort bemerkt und ausschaltet.

Eine, die diese „Strafe“ selbst am eigenen Leib erfahren musste, ist die 16-jährige Kyla. Nach 9 Monaten im Krankenhaus, in denen sie alle selbstverständlichen Dinge wie Sprechen neu erlernen musste, wird sie nun entlassen und auf ihre Familie treffen, wo sie, fernab ihrer alten Erinnerungen, ein neues und gutes Leben führen soll. Doch so sehr sich Kyla auch anstrengt die Szenarien in ihren Albträumen kann sie nicht abschalten. Sind diese Bilder wahr? Zeigen sie ihr alte Erinnerungen aus ihrem früheren Leben? Letzteres kann unmöglich sein, schließlich wurden diese alle gelöscht. Aber was sollte sonst dahinter stecken? Genau das muss Kyla herausfinden…


Frau Terrys Schreibstil ist sehr einfach gehalten. Die meisten Sätze sind kurz gehalten, wodurch sich die Seiten umso flüssiger lesen lassen. Allerdings hätten an der einen oder anderen Stelle ein paar detailliertere Beschreibungen sicher nicht geschadet. Genauso wenig wie ein paar mehr Emotionen. Das fand ich beim Lesen wirklich schade, doch hinterher muss ich sagen, dass dieser emotionslose Stil durchaus passend ist. Schließlich hat unser Protagonistin Kyla keine Erinnerungen an ihr früheres Ich und somit auch keine Ahnung wie sie ihre Gefühle zu deuten hat, geschweige denn wie sie sie ausdrücken kann. Die Autorin schreckt auch nicht davor zurück brutalere Szenen in ihre Geschichte einzubauen, insbesondere Kylas Traumszenen versprühen sehr viel Gefahr aber lassen den Leser auch Angst verspüren.


Neugierig gemacht von Klappentext und Leseprobe, musste ich „Gelöscht“ einfach in die Hand nehmen. Dank der Erzählperspektive fiel mir ein Einstieg in die Geschichte sehr leicht. Ich war sofort ins Geschehen und in Kylas Gedankenwelt eingetaucht. Doch Frau Terry's Werk ist ganz anders als die andere Dystopien und beschert einem nicht von der ersten Seiten an Herzklopfen. 

„Gelöscht“ lebt definitiv nicht von Spannung, sondern von den Gedanken und Überlegungen der Protagonistin. Es zieht sich konsequent die Frage durch das Buch, wem man trauen kann und wem nicht. Bereits nach kurzer Zeit sorgt Frau Terry dafür, dass beim Leser Misstrauen gegenüber bestimmten Charakteren gesät wird. Allerdings habe ich meine Meinung immer wieder geändert und ursprüngliche Vermutungen über den Haufen geworfen, sodass mir nichts anderes übrig geblieben ist, als mit dem Rätseln noch einmal von vorne anzufangen.

Die Idee der Autorin fand ich sehr interessant und total gut durchdacht. Auch die Darstellung des Regimes und der Gesellschaft Großbritanniens kann sich sehen lassen…Nichtsdestotrotz hätte ich gerne genauer erfahren, wie das Ganze mit den Gangs so weit kommen konnte, doch leider wurde mit Details zur Vergangenheit äußerst sparsam umgegangen.

Die Protagonistin Kyla…bis zum Schluss bin ich mir nicht sicher, ob ich sie nun sympathisch finden soll oder nicht. Auf der anderen Seite habe ich sie für ihre Stärke und ihren Willen total bewundert. Sie ist eine wahre Kämpfernatur, die wenn sie etwas unbedingt möchte, nicht so schnell aufgibt. Durch das Löschen all ihrer Erinnerungen gleicht sie jedoch eher einem Kleinkind, das manche Dinge einfach nicht wissen oder manche Konsequenzen nicht abschätzen kann. Doch sie ist extrem aufnahmefähig und lernt schnell aus ihren Fehlern. Auf der anderen Seite hatte ich wirklich Probleme mich in sie hineinzuversetzen, da sie ihre Gefühle vor anderen eher verbirgt. Dabei hätte ich so gerne erfahren, wie man sich eigentlich fühlt, wenn man so gar nichts von seiner Vergangenheit weiß. Ich stelle mir das total schlimm vor…

Wie soll man damit umgehen? Einfach darüber hinwegsehen und sich voll und ganz auf sein neues Leben konzentrieren, wie es Kylas Schwester Amy tut? Ich glaube Kyla würde das nur zu gerne, aber leider kann sie ihre schlimmen Albträume (die dazu sehr intensiv, ja fast real erscheinen) nicht einfach so per Knopfdruck abstellen. Da stellt sich doch automatisch die Frage, ob es sich hierbei wirklich um tatsächliche Erlebnisse aus ihrem früheren Leben? Ihr seht nicht nur Kyla tappt im Dunkel …

Ben, ein weiterer Slater, fand ich dagegen sehr sympathisch. Zu Beginn spielt er eher eine Nebenrolle als „der beste Freund“, der jederzeit für Kyla da ist. Doch mit der Zeit entwickelt er Gefühle für Kyla, will sie beschützen, kann aber nicht so wie er möchte. Er steckt in einer richtigen Zwickmühle, und muss sich entscheiden, was er für richtig hält.

Die größte Überraschung löste jedoch Kylas Mutter aus, da sie sich mit Fortschreiten der Story ganz anders verhalten hat, als ich es gedacht hatte.

Das Spannungslevel hält sich konstant, dennoch wollte ich unbedingt weiterlesen um zu erfahren wie es mit Kyla weitergeht. Diese Neugier ließ mich sogar über die ein oder andere längere Stelle hinweg sehen.

Zu Ende hin überschlagen sich die Ereignisse förmlich, brechen dann allerdings so abrupt ab, dass ich mich ein bisschen im Regen stehen gelassen fühlte. Gerade noch eine zum zerreißen gespannte Atmosphäre und im nächsten Moment ein knallhartes Zack…Ende! Mein ersten Gedanke in diesem Moment: „Und jetzt? Was ist mit meinen ganzen Fragen? Ich MUSS auf der Stelle „Zersplittert“ weiterlesen! Ich MUSS wissen wie es mit Kyla weitergeht!“


Teri Terry konnte mich ihrer Grundidee, auf die die ganze Handlung aufgebaut ist, total überzeugen. Die von ihr erschaffene, dystopische Welt ist wirklich sorgfältig durchdacht und gerade dadurch so erschreckend realistisch. Allerdings muss ich leider sagen, dass sie das Potenzial nicht völlig ausgeschöpft hat - vor allem an Spannung wäre noch einiges mehr herauszuholen gewesen. Aber somit bleibt für den Nachfolger (erscheint im Frühjahr 2014) definitiv noch Luft nach oben übrig! Alles in allem hat mir „Gelöscht“ jedoch gut gefallen, sodass ich eine klare Leseempfehlung aussprechen kann.





 Teri Tery lebte in Frankreich, Kanada, Australien und England und sie hat dabei drei Abschlüsse, eine ganze Sammlung von Reisepässen und mehr Adressen, als sie zählen kann, erworben. Ihre häufigen Umzüge haben Teri oft in eine Beobachtungsrolle gezwungen. Seitdem interessiert sie sich sehr für Personen, die in eine fremde Umgebung kommen oder sich dort eingliedern müssen, wie Kyla in ihrem Debüt Gelöscht. Teri hat vor kurzem ihre Anstellung als Bibliothekarin in Buckingshamshire aufgegeben, um sich voll und ganz auf ihre Arbeit als Autorin konzentrieren zu können. Zudem verfasst sie ihre Masterarbeit über die Darstellung des Terrorismus in Romanen für Jugendliche. Der erste Band ihrer Trilogie hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Bestseller entwickelt und wurde bereits in neun Sprachen übersetzt. [Quelle: Klappentext Gelöscht]


 
 

erscheint im Frühjahr 2014 

Dritter Teil: Shattered


Kommentare:

  1. Waah, hört sich gut an *.* Und derzeit bin ich wieder an Dystopien interessiert, pööörfekt :) Hm, die Idee ist mal neu. Danke für die Rezension ^^

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    1. Na dann kann ich dir "Gelöscht" nur empfehlen :)

      Lg Rina

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Hallo :)

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- Sarina