Freitag, 8. Februar 2013

(Rezension) "Rubinrot" von Kerstin Gier

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Die 16 jährige Gwendolyn Shepard ist eigentlich ein ganz normales Mädchen. Sie lebt mit ihrer Familie in London, besucht brav die Schule und verbringt die meiste Zeit mit ihrer besten Freundin Leslie. Doch ganz so normal wie es von außen den Anschein hat, ist ihr Leben nicht. Denn Gwens Familie hat ein jahrhundertealtes Geheimnis: ein ausgewähltes Gen innerhalb ihrer und der Familie de Villiers zwingt die sehr wenigen Auserwählten regelmäßig Zeitsprüngen in die Vergangenheit zu unternehmen. Und genau so eine Auserwählte soll ihre Cousine Charlotte sein. Ihr Leben lang wurde Charlotte deshalb in Dingen, wie Fechten, Tanzen, Sprachen, Benehmen und natürlich Geschichte, unterrichtet, die für Reisen in die Vergangenheit von Bedeutung sind. Somit ist Charlotte bestens auf ihren ersten Zeitsprung vorbereitet, der sich mit fiesem Schwindel ankündigt... Dumm nur, dass Charlotte das Gen tatsächlich überhaupt nicht besitzt, sondern Gwendolyn. Plötzlich befindet sie sich im London der Vergangenheit. Hilflos überfordert mit der ganzen Situation. Doch ob sie will oder nicht, nun liegt es an ihr, den Chronografen (Ein Gerät, das die Zeitsprünge steuern kann) mit dem Blut der anderen 11 Auserwählten zu bestücken. Begleitet wird sie hierbei von dem zwei Jahre älteren Gideon, mit dem sie sich anfangs überhaupt nicht versteht. Anfangs…

Kerstin Gier hat einen angenehmen Schreibstil, der sich schnell und flüssig lesen lässt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Gwen, sodass man alle neuen Erkenntnisse gemeinsam mit ihr gemeinsam erfährt. Allerdings gibt es zwei Ausnahmen: Prolog und Epilog. Sie zeigen die Geschehnisse aus der Sicht zweier anderer Personen, die nicht ganz unwichtig für die Handlung und ihren Verlauf ist.



Zu Beginn befinden wir uns im 21.Jahrhundert in England, da es sich jedoch um eine Zeitreise-Story handelt, spielen natürlich viele Geschehnisse auch in anderen, längst vergangenen Zeiten. Und gerade das ist es, was mir mitunter am besten gefallen und das Buch auch so besonders macht.

Gwen ist ein typisches 16-jähriges Mädchen. Sie sagt, das was sie denkt und macht was sie will z.B. endlos mit ihrer besten Freundin Leslie (die sich später als großartige Hilfe beim Recherchieren und Geheimnisse knacken erweist) telefonieren. Eines Unterscheidet sie jedoch von den anderen: Sie kann Geister sehen und mit ihren reden, wofür sie natürlich viele schiefe Blicke kassiert. Trotzdem empfindet sie diese, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftige Fähigkeit nicht unnormal. Im Gegenteil, sie akzeptiert, dass es zu ihr dazugehört. Toller Charakterzug, der mir Gwen richtig sympathisch macht. Ich finde, dass man sie einfach liebhaben muss.

Gidoen, der zweite mit dem Zeitreise Gen, ist bereits seit Kindestagen auf seine Bestimmung vorbereitet worden. Er reist bereits seit Jahren durch die Zeit und macht einen leicht eingebildet und arroganten Eindruck. Anfangs ist er nicht sonderlich begeistert, von nun an mit Gwen, statt mit Charlotte, die Missionen zu erfüllen. Dieses Missfallen verbirgt er auch nicht gegenüber Gwen, sondern lässt sie ganz bewusst spüren, dass Charlotte alles besser kann und machen würde. Folglich wäre es also nur verständlich, wenn Gwen ihn richtig blöd finden würde. Wären da nicht seine einfühlsame Art, die hin und wieder hervorsticht…

Gwens Cousine Charlotte ist das typische Prinzesschen, dem alle hinterherrennen, die immer alles perfekt macht und alles besser kann. In ihrer Rolle als Genträger geht sie vollkommen auf, da es zeigt, dass sie etwas ganz besonders ist. Sie und ihre Mutter Glenda, die ich überhaupt nicht leiden konnte und zu den unsympathischsten Charakteren in diesem Buch zählt, können es überhaupt nicht mehr erwarten, bis es endlich zum ersten Zeitsprung kommt. Doch leider ist sie es nun mal nicht, was dazu führt das sie ihrer Konkurrentin äußerst biestigem Verhalten der gegenübertritt. Wenn ich ehrlich bin, ein richtig kindisches Verhalten. Sinnvoller wäre es, wenn sie ihrer Cousine helfen und ihr über die Jahre angesammeltes Wissen teilen würde. Aber nein…man muss ja die Beleidigte spielen.

So und bevor ich weitermache, muss ich zuvor noch etwas los werden. Im Vorfeld habe ich gefühlte tausend Rezensionen und Empfehlungen zu Rubinrot gelesen, sodass meine Erwartungen relativ hoch angesetzt waren. Denn an was denkt man bei dem Untertitel "Liebe geht durch alle Zeiten" und dem Stichwort "Zeitreisen"? Genau, Liebesgeschichte in Verbindung mit ganz viel Abenteuer und Fantasy. Leider merkt man Rubinrot aber an, dass es der erste Teil einer Trilogie ist. Das Buch kam mir eher wie eine lange Einleitung vor. Natürlich muss anfangs viel erläutert, beschrieben und erklärt werden, damit man als Leser in das Geschehen hineinkommt und nötige Hintergrundinformationen erhält, aber hier dient dies nur als Hinführung zu den eigentlichen Ereignissen und endet an dem Punkt, an dem die eigentliche Handlung um Gwen und Gideo erst richtig beginnt. Schade! Aus dem ersten Band einer Trilogie kann man so viel mehr machen. Meiner Meinung nach sollte es schon seine eigene Geschichte haben, die sich dann in den nächsten Bänden fortsetzt.

Damit möchte ich allerdings nicht sagen, dass Rubinrot langweilig war. Ganz im Gegenteil, ich habe jede Seite regelrecht verschlungen um zu erfahren, wie es denn nun endlich weiter geht. Ich habe mich nie gelangweilt und habe jedes Fünkchen an neuer Information begeistert aufgesogen. Außerdem war das Buch äußerst humorvoll. Egal wie ernsthaft/gefährlich/ wichtig eine Szene war, Gwens Kommentare, die sie in ihren Gedanken dazu gefügt hat, haben die Stimmung wieder aufgelockert.


Rubinrot ist ein wunderschön geschriebener Jugendfantasyroman, den ich regelrecht verschlungen habe. Die Idee dahinter finde ich wirklich gelungen, obwohl ich finde, dass sie noch ausbaufähig ist. Man hätte weit mehr aus dem ersten Buch holen können. Umso mehr freue ich mich auf die Fortsetzung "Saphirblau".
  





Kerstin Gier, geb. 1966, schreibt humorvolle Frauenbücher. Einige ihrer Titel waren monatelang auf den Bestsellerlisten. Die DeLIA-Preisträgerin lebt mit ihrer Familie im Bergischen Land. [Quelle: amazon.de]




 
   



 



Kommentare:

  1. Eine wirklich tolle Rezension! :)
    Ich mag die Reihe total gerne und bin schon sehr gespannt auf den Film! :D

    Übrigens bin ich jetzt Leserin bei dir - dein Blog gefällt mir wirklich gut!! :) Ich werde auf jeden Fall noch oft hier vorbei schauen!

    Liebe Grüße, Selina
    http://meine-lesewelt.blogspot.de/

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    1. Ja, jetzt kann ich nachvollziehen, warum so viele von dieser Reihe schwärmen...

      Danke für's followen :) Ich werde auf deinem Blog ganz bestimmt auch mal vorbeischauen.

      Liebe Grüße zurück!
      Rina

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  2. Du wurdest getaggt:

    http://meine-lesewelt.blogspot.de/2013/02/tag-11-fragen.html

    Ich würde mich freuen, wenn du mitmachen würdest!! :)

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  3. Tolle Rezi!
    Ich liebe das Buch, auch wenn kleine Schwächen da sind (warum schweigt Gwen, wenn es um ihr Leben geht und sie weiß, dass sie bei ihrer Familie bestens verstanden wird? Dass man ihr glauben und helfen wird? Weil das Haustier der Schwester als Diskussion Vorrang hat? Na ja... :-) ) Ansonsten eine dicke, fette Empfehlung. Das Buch ist weit überdurchschnittlich!

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  4. Ich finde das Buch auch so toll, wie du! Ich hoffe, dass es bald mal eine neue Fantasy-Reihe von Kerstin Gier gibt! :-) Liebe Grüße, Johnni von
    Unendliche Geschichte

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- Sarina