Mittwoch, 6. Februar 2013

(Rezension) "Die Rose von Arabien" von Christine Lehmann

 
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Die 16-jährige Finja lernt auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt zufällig den jungen Chalil kennen und verliebt sich auf Anhieb in ihn. Unglücklicherweise verliert sie ihn genauso schnell wieder aus den Augen, bis sie ihn am Glühweinstand, dem alljährlichen Weihnachtstreffpunkt ihres Vaters und dessen Studenten wiedersieht. Bei dieser Begegnung stellt sich heraus, dass Chalil ein Student ihres Vaters ist und nicht nur das: Er ist der erstgeborene Sohn eines Scheichs. Finjas Vater arbeitet gerade an einem Auftrag des Scheichs und muss für dieses Projekt auch die Weihnachtstage in Dubai verbringen. Diese Aussicht gefällt Finja nun umso besser, schließlich war bereits geplant, dass sie Weihnachten zusammen mit ihrem Vater in Dubai verbringen wird. Umso besser, dass sie so Chalil wieder sehen wird! In freudiger Erwartung fiebert Finja also ihrer Reise nach Dubai und dem Widersehen mit Chalil entgegen, nichts ahnend, welche Hürden und Missverständnisse sie erwarten werden. Zunächst jedoch erlebt sie eine völlig neue Welt, die ihr zugleich fremd, aber auch einfach traumhaft-fast wie aus 1000 und einer Nacht- erscheint. Allerdings wird sie bald schon unsanft aus ihren Träumen geholt und es kommen erste Zweifel auf. Kann sie wirklich ihr altes Leben, ihre Heimat und ihre Freiheit aufgeben, um mit Chalil glücklich und seine Frau, die Frau eines Scheichs, zu werden?


Der Schreibstil von Frau Lehmann war sehr flüssig und angenehm zu lesen. Außerdem konnte ich mir ein relativ gutes Bild von den einzelnen Charakteren machen. Zwar wird das Buch aus Finjas Sicht rückblickend (wird einem erst im hinteren Drittel der Geschichte bewusst) und demnach stehen ihre Gefühle und Gedanken im Vordergrund, dennoch bleiben einem auch die der anderer nicht vorenthalten. Besonders schön fand ich auch die Art des Erzählens z.B. wie der Schneefall beschrieben und die Umwelt erklärt wird. Das vermittelt einem das Gefühl mittendrin zu sein! 


Zu Beginn erweckt die Story vielleicht den Eindruck, dass es eine von vielen klischeehaften Romanzen ist, doch so ist es nicht. Nein, hier treffen zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, was viel Stoff zum Erzählen liefert. Wann trifft man schließlich schon einen Scheich, der mal locker 300.000€ für Schmuck ausgibt?

Doch abgesehen von den gesellschaftlichen Unterschieden werden vor allem die kulturellen immer wieder sichtbar, welche sich Finja anfangs nicht ganz bewusst ist. Zwar reist sie mit Bedenken und einigen Vorurteilen an, deren Tragweite kann sie allerdings noch nicht abschätzen. Auf der einen Seite lernt sie eine unbeschreiblich herzliche Gastfreundschaft der Menschen kennen, auf der anderen Seite sieht sie sich auch mit ganz anderen Traditionen und Wertvorstellungen konfrontiert, als sie es von Zuhause gewohnt ist. Im Laufe der Geschichte kann Finja diese anderen Sichtweisen zwar besser verstehen, dennoch ist sie von den strengen Regel des arabischen Landes immer noch nicht überzeugt. Im Gegenteil: das neue Wissen macht es nur komplizierter, weshalb sich Finja fragt, ob es für sie nicht einfacher wäre, wenn sie Chalil heiraten würde...

Finja wirkt auf mich noch sehr naiv. Chalil ist ihre erste große Liebe. Sie hat nur Augen für ihn, was sie stückchenweise blind für die eigentliche Realität macht. Ihre Liebe zu Chalil scheint grenzenlos, doch immer wieder aufs Neue werden diese Gefühle auf die Probe gestellt. Sie würde auf viele Dinge verzichten müssen, um eine dauerhafte Beziehung mit dem jungen Scheichsohn haben zu können. Sogar der Gedanke nur „Zweitfrau“ zu sein, erscheint ihr nicht abwegig. (Hiermit wäre ich z.B. gar nicht einverstanden) Im Gesamten gefällt mir Finjas Charakter jedoch, weil sie sehr aufopferungsvoll Chalil gegenüber ist und für ihn alles hinter sich gelassen hätte.

Chalil macht, was die Liebe zu Finja betrifft, einen sehr starken und leidenschaftlichen Eindruck. Als erstgeborenen Sohn eines Scheichs fühlt er sich seinen Pflichten, Tradition und seiner Familie vorrangig verpflichtet. Doch kann er auch seinen persönlichen Wünschen auch nicht verwehren. Er steckt in einer echten Zwickmühle, an der er langsam verzweifelt.

Der spannende Wechsel zwischen Hoffnung und Verzweiflung lässt einen kaum zu Atem kommen - geschweige denn, das Buch aus der Hand legen.

Abgesehen von der spannenden Liebesgeschichte zwischen Finja und Chalil bietet Christine Lehmann dem Leser detailreiche Beschreibungen der arabischen Kultur, der muslimischen Religion und lässt an den passenden Stellen ihre Traditionen und Wertvorstellungen einstreuen. Vor allem die vielen wundervollen Beschreibungen über Oasen, Antilopen und die Wüste haben mich an der Geschichte fasziniert. Man fühlte sich direkt in ein Märchen aus 1001 Nacht gezogen. Zwar konnte Christine Lehmann mit einigen Vorurteilen aufräumen, doch sie berichtet auch von den Schattenseiten, indem z.B. von jungen Frauen die Rede ist, die für Gleichberechtigung kämpfen.
Manchmal erschienen mir manche Gedanken bzw. Handlungsschritte etwas unrealistisch: Ein 16-jähriges Mädchen, dass nach weniger als 7 Tagen davon überzeugt ist, ihren Traummann gefunden zu haben und ihn heiraten zu müssen… Naja, ich bin selber sechzehn und kann mich damit nicht identifizieren. Auch beim Ende muss ich zugeben, dass es für mich nicht die Ideallösung war. Im wahren Leben wäre es höchstwahrscheinlich nicht so abgelaufen.

Abschließend noch ein Wort zu dem wunderschönen Cover. Es hat mir gleich eine wunderbare orientalische Atmosphäre vermittelt. Die Farbtöne und Silhouetten als Schatten finde ich sehr gelungen. Jemand hat sich dabei sehr viel Mühe gegeben… Man wird fast magisch angezogen und taucht wirklich in eine andere Welt ein. 

„Die Rose von Arabien“ ist ein wahrer Pageturner, der trotz seines Umfangs schnell verschlungen ist. Spannend und wie selbstverständlich erzählt Christina Lehmann die Liebesgeschichte zweier Menschen, die aus völlig verschiedenen Kulturen stammen und die damit verbundenen Probleme. Viele kleine Geschichtchen, die in die Haupthandlungen mit einfließen runden das Buch passend Stück für Stück ab. Bis zum Ende bangt und hofft der Leser mit den zwei Liebenden und fragt sich, ob diese Liebe eine Chance haben wird.
 



 
Christine Lehmann, geb. 1958 in Genf, lebt seit 1963 in Stuttgart, wo sie auch ihr literaturwissenschaftliches Studium mit der Promotion abschloss. Zahlreiche Reisen führten sie in den gesamten Mittelmeerraum, heute bezeichnet sie Spanien als ihre zweite Heimat. Als Journalistin hat Christine Lehmann unter anderem für EMMA und für die TAZ geschrieben, seit 1990 arbeitet sie als Nachrichtenredakteurin beim SWR-Hörfunk. Sie war außerdem als Übersetzerin und Herausgeberin von Anthologien tätig, verfasste zahlreiche Essays und veröffentlichte zwischen 1994 und 1999 Krimis. [Quelle: carlsen.de]

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