Donnerstag, 21. Februar 2013

(Rezension) "Breathe-Gefangen unter Glas" von Sarah Crossan

 
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Seitdem der Sauerstoffgehalt der Luft dramatisch gesunken ist, ist ein Überleben auf der Erde kaum noch möglich. Die wenigen Menschen haben sich unter eine Glaskuppel geflüchtet und leben mehr oder weniger unter dem Schutz von Breathe, einer Organisation, der es gelungen ist künstlich Sauerstoff herzustellen. Doch nicht jedem ist dieses Privileg gleich vergönnt. Im Gegenteil! Die Verantwortlichen lassen sich ihre „Erfindung“ teuer bezahlen, sodass das Vergnügen Sport zu treiben oder Ausflüge in das Land außerhalb der Kuppel zu machen, nur den Betuchteren vorbehalten bleibt. Und so schafft es die lebenswichtige Ressource die Bevölkerung in eine Zweiklassengesellschaft zu spalten. Diese bitteren Unterschiede müssen auch die besten Freunde Bea, eine zweitklassige Second, und Quinn, ein privilegierter Premium jeden Tag aufs Neue miterleben. Dennoch sind sie es nicht anders gewöhnt, sind sie schließlich in dieser Welt großgeworden. Allerdings ändert sich dieses Denken, als sie der gleichaltrigen Alina, ihrerseits Rebellin und Gegnerin der Regierung, zur Flucht verhelfen und langsam erkennen, dass nicht alles so ist, wie es den Anschein hat… 

Sarah Crossans Schreibstil ist klar und zugleich ausdrucksstark, wodurch ihre Erzählungen sehr authentisch wirken. Zwar konnte mich die Handlung nicht von Beginn an fesseln, von der Idee dahinter war ich allerdings vom ersten Moment überzeugt. Die Geschichte im steten Wechsel aus den verschiedenen Perspektiven der Hauptfiguren wiederzugeben verleiht der Story zusätzlich eine gewisse Abwechslung. Außerdem kann man gleich eine gewisse Beziehung zu den Charakteren und ihren unterschiedlichen "Leben"aufbauen. Die Autorin weiß gekonnt den Leser zu erreichen und durch Wendungen bzw. Überraschungsmomente, mit denen man absolut nicht gerechnet hätte, zu erschüttern 

Was passiert, wenn eines der lebensnotwendigen Dinge überhaupt, plötzlich gar keine Selbstverständlichkeit mehr ist? Wenn Sauerstoffgebrauch und Atmen zu einem Privileg geworden ist, welches den weniger Privilegierten nur in begrenzter Menge zu Verfügung steht? Ja, dann entbrennt ein Kampf ums Überleben und die Gerechtigkeit. Die Welt, wie wir sie heute kennen, gibt es nicht mehr.

Natürlich sprechen wir hier von einer Dystopie, wobei ich finde, dass viel Wahres in dem beschriebenen Szenario liegt. In einer Zeit von Klimawandel und Umweltverschmutzung nicht einmal so abwegig. Also ich könnte mir eine solche Gesellschaftsordnung ganz gut vorstellen. Und genau aus diesem Grund ist es Sarah Crossan auch gelungen, die Geschichte so realistisch wirken zu lassen. Trotzdem haben mich das Leben und die Wertvorstellungen unter der Kuppel ein wenig schockiert. Die Unterschiede, die zwischen den einzelnen Menschen gemacht wird und wie abwertend die meistens Premiums über die Seconds reden…Damit konnte ich mich nicht wirklich anfreunden, sodass manche Charaktere mir bis zum Schluss einfach unsympathisch blieben.

Dafür haben mir die drei Hauptcharaktere umso besser gefallen. Sie werden recht ausführlich, aber nicht zu detailreich beschrieben, wodurch ich mich sehr gut mit ihnen anfreunden konnte. Ein besonderer Anreiz war für mich auch, dass die Charaktere von ihrem Wesen breit angelegt waren und sich so schön voneinander unterschieden.

Da hätten wir zum einen Alina, eine Second, die sich seit dem Verschwinden ihrer Eltern, den Rebellen angeschlossen hat und gegen die Macht von Breathe eintritt. Sie ist eine unglaublich kämpferische Person, die alles dafür tut, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen – und deshalb eine Gefahr für die Regierung darstellt.

Quinn ist dazu im Vergleich das genaue Gegenstück. Er ist der Sohn eines ranghohen „Breathe“-Direktors und zählt zu den Premiums, die sich ganz nach Lust und Laune mit Sauerstoffflaschen versorgen können und allerlei Vorzüge genießen, von denen andere Familien nur träumen. Quinn mag Bea sehr gerne und die beiden sind beste Freunde. Außerdem kümmert er sich rührend ums sie und ihre Familie z.B. in dem er ihnen extra Sauerstoff schenkt.

Und zum Schluss noch Bea, ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen, die wie Alina Bürger zweiter Klasse ist. Ihre Eltern müssen schwer schuften, um zu überleben. Mit ihr konnte ich mich am besten identifizieren. Sie war mir im Gegensatz zu Alina gleich von Anfang an sympathisch. Gleichzeitig tat sie mir irgendwie auch ein wenig Leid, da man doch recht schnell merkt wie verliebt sie in Quinn ist und wie es sie verletzt, dass er wieder einmal kein Interesse an ihr zeigt. Die drei Protagonisten führen eine Art "Dreiecksbeziehung", wenn man es so nenne möchte. Bea ist in Quinn verliebt, der jedoch ein Auge auf Alina geworfen hat. Alina hingegen hat gar kein Interesse an Quinn und trauert lieber ihrem verschwundenen Mitbestreiter Abel hinterher. Eine etwas komplizierte Angelegenheit, die letztendlich Ausgangspunkt für das spätere Geschehen ist…

Äußerlich ist das Buch in fünf Teile unterteilt. Den ersten Teil fand ich eher mäßig spannend, da man erst einmal einen Einblick in die Geschichte bekommt. Richtig spannend wurde es für mich jedoch erst etwas spätestens, als sich Bea, Quinn und Alina im Ödland befanden. Hier wurde endlich auch der große „Switch“ erklärt, der vorher immer nur angedeutet wurde und als Begriff im Raum herumschwebte. Außerdem lässt die Autorin ein großes Geheimnis rund um Breathe platzen, welches meine Vermutungen im Großen und Ganzen bestätigt hat. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber auch in dieser „Welt“ ist wieder mal mehr Schein als Sein.
 
 
Sarah Crossan fehlt es nicht an Einfallsreichtum. Sie zeigt beide Seiten des „neuen“ Lebens: auf der einen Seite das blühende und auf Scheinheiligkeiten basierende Sein unter der Kuppel; auf der anderen Seite eine unbegreifliche Ungerechtigkeit, in welcher jedoch Werte wie Freundschaft und Hoffnung noch eine Bedeutung haben, und appelliert damit indirekt zum Nachdenken. Darüber hinaus beschreibt sich schön und liefert die nötigen Hintergrundinformationen zum richtigen Zeitpunkt. Natürlich sind ein paar Fragen offen geblieben, auf die ich hoffentlich im nächten Band eine Antwort bekomme. Zum Ende hin war ich wie gefesselt und konnte das Buch fast nicht mehr aus der Hand nehmen. Ein schöner und gelungener Auftakt einer Buchreihe! Ich kann „Breathe-Gefangen unter Glas“ jedem nur empfehlen, da es sich lohnt, in diese Welt einzutauchen.
 





Sarah Crossan wurde in Irland geboren und verbrachte den größten Teil ihrer Kindheit und Jugend in England. 1999 machte sie ihren Abschluss an der Universität von Warwick mit einem Diplom in Philosophie und Literatur. Im Anschluss begann sie als Englisch- und Schauspiellehrerin an der Universität von Cambridge zu arbeiten und bemühte sich fortan um die Förderung von kreativem Schreiben in Schulen. Neben dem Unterrichten arbeitete sie als freiberufliche Redakteurin und Buchkritikerin. 2003 erhielt sie ihren Master in kreativem Schreiben an der Universität von Warwick und widmete sich anschließend ganz dem Schreiben von Romanliteratur. 2010 erhielt sie ein Edward Albee Stipendium und verbrachte den Sommer in Montauk, nähe New York, um ihren ersten Roman ›The Weight of Water‹ zu vollenden. ›Breathe - Gefangen unter Glas‹ ist ihr zweiter Roman, der ab März auch auf Deutsch erhältlich ist. [Quelle: dtv.de]

 

Kommentare:

  1. Ahh,das Buch möchte ich auch unbedingt lesen!!

    LG Lisa

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  2. *-* das Buch hört sich super an :) !!

    LG und schöne Rezi

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  3. Das Buch steht schon ganz oben auf meiner Wunschliste ;) Deine Rezi macht mich jetzt noch gespannter. Die Geschlichte klingt wirklich gut :D

    LG Filo

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  4. Schöne Rezi :)
    Ich wollte das Buch garnicht aus der Hand legen ;)

    Danke für meinen ersten Award :) Hab ich eben erst gesehen.

    LG Jenny
    P.s. Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche. Auch wenn du wenig/garkeine Lesezeit hast... :(

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- Sarina